Das Beste aus Zell an der Moselschleife

Bericht "Freizeitwohen und Landschaft"

Quelle: Heintze, Gottfried: Freizeitwohnen und Landschaft.

In: Freizeit und Erholung – Herausforderungen und Antworten der Landespflege, Heft 57 - 1990 der Schriftenreihe des Deutschen Rates für Landespflege (ISSN 0930-5165), Seite 618 - 622

Gottfried Heintze Freizeitwohnen und Landschaft

Dieses Thema ist ein weltweites Problem! Schlägt man den Immobilienteil großer deutscher Tageszeitungen auf, dann liest man Angebote über Freizeitwohnsitze nicht nur in Europa von der Türkei bis nach Irland, sondern auch in Brasilien, in der Südsee und vielen anderen Teilen dieser Erde. In Irland z. B. fiel mir kürzlich ein aufwendiger farbiger Prospekt in deutscher Sprache in die Hände, der eine der letzten Gelegenheiten zum Erwerb von Ferienhäusern an der Atlantik-Küste anpreist. Wir wohlhabenden Deutschen beteiligen uns fleißig am Ausverkauf der Landschaft. Wir kennen Probleme des Freizeitwohnens auch aus den Ostblockstaaten, z. B. in Ungarn oder in der DDR; hier ist das alles bescheidener, aber große Teile der Bevölkerung streben auch hier ihre „Datscha" im Grünen an. Ganz allgemein gilt, dass der eigentliche Boom neuer Ferienparks, Feriendörfer, Wochenendhausgebiete und Campingplätze seit ca. sechs Jahren vorbei ist. Die stärkste Nachfrage hatten wir in den (19)60er und 70er Jahren. Um so wichtiger ist z. Zt. die Aufgabe der Sanierung problematischer Gebiete, häufig verbunden mit Erweiterungen in der Fläche und Verbesserungen in der Freizeit-Infrastruktur. Auch der Campingplatz-Wettbewerb, der 1988 erneut von Bund und Ländern durchgeführt wurde, leistet hierbei seinen Beitrag. Aus der Fülle der Fragen und Probleme zum Thema will ich einige Details am Beispiel kommerzieller Feriendörfer in Hessen erläutern. In den 70er Jahren wurden in Hessen 14 kommerzielle Feriendörfer mit jeweils zwischen 50 und 150 Einzelhäusern gebaut (vgl. Tab. 1 ). Die Häuser wurden nach dem Bauherrenmodell einzeln veräußert und mussten einer Trägergesellschaft für Vermietungszwecke zur Verfügung gestellt werden. Auf diese Weise sollte ihre überwiegende oder ausschließliche Nutzung durch den Eigentümer vermieden werden. Unter dieser Bedingung wurden die Feriendörfer mit staatlichen Mitteln gefördert, um in den meist strukturschwachen Räumen den Fremdenverkehr zu verbessern. Diese kommerziellen Feriendörfer dürfen nicht mit den bis dahin so beliebten und bewährten sozialen Feriendörfern verwechselt werden, von denen es 14 in Hessen gibt mit im Durchschnitt 18 Häusern. Da diese bevorzugt kinderreichen oder sozial schwachen Familien zur Verfügung stehen und aufgrund ihrer geringen Häuserzahl auch städtebaulich-landschaftsplanerisch weitaus leichter integriert werden können, soll auf diese hier nicht weiter eingegangen werden. Die kommerziellen Feriendörfer werfen hingegen sehr viel mehr Probleme auf, von denen ich hier einige nennen will: - Landschaftsverbrauch: Feriendörfer stellen ein typisches Beispiel von direktem und Indirektem Landschaftsverbrauch dar. 1 - aus der Sicht der Raumordnung: die Standorte der 14 Feriendörfer liegen weitgehend abseits vorhandener Ortslagen, in bevorzugter landschaftlicher Lage, die frei von neuen zusätzlichen Belastungen allen Menschen zur naturnahen Erholung offenstehen soll; das untermauern z. B. entsprechende Forderungen des Hess. Landesraumordnungsprogramms (HLROP, Gesetz über die Feststellung d. HLROP und zur Änderung des Hess. Landesplanungsgesetzes vom 18.D3.7D, GVBL. 1. 197D, S. 265). Trotz dieser Forderung liegen zehn Feriendörfer in der freien Landschaft (0,5 km oder weiter vom nächsten Ortsrand entfernt) und stellen damit eine echte Zersiedlung dar. - Ghettobildung: durch die Lage in freier Landschaft besteht die Gefahr der Ghettobildung; die Chance der Begegnungsmöglichkeit zwischen der einheimischen Bevölkerung und den Feriengästen wird vertan. - Mangelnde Ausnutzung der Freizeit-Infrastruktur: durch die abseitige Lage ist es erforderlich, im Feriendorf eine eigene Freizeit- Infrastruktur zu schaffen, die damit die Bau- und Unterhaltungskosten enorm steigert und von der Wohnbevölkerung nur unter Inkaufnahme langer Wege genutzt werden kann. - Aufwendige Ver- und Entsorgung Als Folge der abseitigen Lage von vorhandenen Ortschaften sind Bau und Unterhaltung aller Ver- und Entsorgungseinrichtungen besonders aufwendig. - Gefahr des Funktionsverlustes Feriendorf: von Anfang an bestand ein gewisses Risiko, dass spätestens nach Auslaufen der Vermietungsauflage die Häuser für den Fremdenverkehr nicht mehr zur Verfügung stehen, sondern als Wochenendhausgebiete oder Dauerwohnsitze genutzt werden, obwohl dies ja gerade laut entsprechender Forderungen des HLROP verhindert werden sollte und die Förderung dieser Feriendörfer durch öffentliche Mittel dadurch geradezu grotesk wird; leider ist diese Entwicklung inzwischen in vier Feriendörfern eingetreten. - Einkünfte aus der Vermietung der Häuser stärken nicht die strukturschwachen zu fördernden Räume: die Einzelhäuser gehören überwiegend gut gestellten Bürgern (freie Berufe) der Verdichtungsräume; infolgedessen fließen die Einkünfte aus der Vermietung auch dorthin und kommen nicht den Bürgern der strukturschwachen Räume zugute. Aus allen diesen Gründen wurde den Feriendorfprojekten damals aus der Sicht der Landespflege sehr skeptisch begegnet, so dass nicht zuletzt dadurch einige Projekte verhindert werden konnten. Von den zahlreichen Stimmen, die sich bereits in den 70er Jahren skeptisch zu dem Boom der Feriendorf-Projekte äußerten, sei hier eine aus einer vergleichenden Untersuchung von zwei verschiedenartigen Feriendörfern in Hessen zitiert: „Auch ist zu vermeiden, dass Feriendörfer lediglich aufgrund von Modeerscheinungen zum Entstehen touristischer Spekulationsruinen und Geisterstädte führen könnten" (WOLF, 1978). 2 Ein typisches Beispiel hierfür ist ein Feriendorf in der Rhön, mit dessen Bau 1972 begonnen wurde, das während der Bauzeit mehrmals in finanzielle Schwierigkeiten geriet und erst 1988 nach nunmehr 16 Jahren eröffnet wurde. - Die Bauruine eines Freizeitzentrums unter dem Namen Taunamare steht heute vor den Toren der Stadt Wiesbaden an der SAS-Auffahrt Wiesbaden- Niedernhausen. Gibt es Alternativen zu diesen Großprojekten? Die o. g. zahlreichen Risiken und Fehlentwicklungen, die mit den kommerziellen Feriendörfern verbunden waren, waren und sind Anlaß und Triebfeder dazu, eine alternative Feriendorfform zu der im Grundsatz folgerichtigen Entwicklung der Schaffung neuer Ferienhäuser in Verbindung mit der Dorferneuerung ins Gespräch zu bringen. In zahlreichen Dörfern gibt es infolge des Strukturwandels funktionslos gewordene, leer stehende Bausubstanz, die dem Verfall und Abriss preisgegeben ist. Im Zuge der Dorferneuerung wird versucht, diese Bausubstanz zu erhalten und zu erneuern, aber das geht nur in Verbindung mit neuen Funktionen für diese oft wertvolle und erhaltenswerte Bausubstanz; dabei spielt natürlich auch der Ferienverkehr eine besondere Rolle. Die Schaffung von einzelnen Ferienwohnungen oder von Fremden-zimmern durch die Aktion „Ferien auf dem Bauernhof" hat hier durchaus gute Erfolge aufzuweisen. Hier gilt es anzusetzen und diese Tendenz weiter zu entwickeln. Da der Ausbau von Ferienwohnungen in vorhandenen Gebäuden schon allein wegen der nicht erforderlichen neuen Erschließung wesentlich preisgünstiger möglich ist und gleichzeitig die Landschaft nicht mit neuen Baugebieten belastet wird, sollte die Schaffung neuer Ferienwohnungen mit dem Ziel der Nutzung bestehender Bausubstanz durch entsprechende Aufklärung und Beihilfen in gleicher Höhe wie bei den Ferienhausgebieten verknüpft werden. Eine zusätzliche Ergänzung durch kleine Gruppen neuer Ferienhäuser am Ortsrand, die sich der vorhandenen Bebauung von der Lage und der Baugestaltung her harmonisch einfügen, ist dabei durchaus denkbar. Die großen Vorteile dieser Konzeption liegen u. a. sowohl in der Erhaltung der Dorfgestalt als auch in der direkten wirtschaftlichen Aktivierung des Ortes sowie in der wesentlich höher zu bewertenden Qualität für die Feriengäste: - Diese Fremdenverkehrsform lässt keine Fremdkörper in der Landschaft entstehen, die oft wie kleine Trabantensiedlungen wirken. Sie erhält die typisch dörfliche Bausubstanz und gibt ihr neue Funktionen, ohne dass auf den erforderlichen Wohnkomfort im Innern verzichtet werden muß. - Die Gewinne aus den Ausbaumaßnahmen und der Vermietung bleiben in den Orten oder deren nächster Umgebung und erhöhen damit unmittelbar die Einkommen in diesen Problemregionen und festigen damit auch die Arbeitsplätze der ortsansässigen Handwerksbetriebe und Geschäfte. - Das bedeutendste Qualitätsmerkmal für den Feriengast ist die Geborgenheit, die sich aus dem engen Kontakt mit der Vermieterfamilie und der Dorfbevölkerung durch die auch räumlich aufs engste vollzogene Integration in das 3 dörfliche Leben entwickeln kann. Die beklemmende Anonymität und Uniformität der Feriengebiete gibt es hier nicht. - Die Sport- und Freizeiteinrichtungen des Dorfes können durch Urlauber und Wohnbevölkerung gemeinsam benutzt werden und erhalten dadurch eine ganz andere Rentabilität. - Die evtl. Umwandlung der Ferienhäuser und -wohnungen zu Zweitwohnsitzen oder Wochenendnutzungen ist wegen der Integration in das vorhandene Dorf mit weniger Problemen behaftet. Trotz ernsthafter mehrjähriger Bemühungen um die Schaffung solcher Modelle ist mir aus Hessen kein entsprechendes Beispiel bekannt. Dies liegt zum einen an den Schwierigkeiten, die zahlreichen Eigentümer der Altbausubstanz und der für die Neubauten benötigten Grundstücke zu einer entsprechenden Aktionsgemeinschaft zusammenzuführen, zum anderen daran, dass es sich hier in der Regel um kleinere Einheiten in der Größenordnung von 20 bis 50 Ferienwohnungen und -häusern handeln wird. Haupttriebfeder bei den großen Feriendörfern auf der grünen Wiese sind der Großunternehmer oder die Kapital-Gesellschaft, die zunächst überwiegend an dem Gewinn aus der Errichtung der Gesamtanlage interessiert sind, weniger aber an dem anschließenden Betrieb als Feriendorf. Hier liegt sicherlich auch ein Grund dafür, dass manche Feriendörfer schon kurz nach der Eröffnung in Schwierigkeiten gekommen sind, weil man das Management der Träger- und Vermietungsgesellschaften mit der „linken Hand" betrieben hat. Aus Anlass eines in finanzielle Schwierigkeiten geratenen Feriendorfes in Hessen schreibt deshalb der BUND Landesverband Hessen 1984 in einer Presseerklärung: „Erneut hat es sich erwiesen, dass eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Problem ,Feriendorf und Landschaft' nicht stattgefunden hat, während alle Warnungen der Naturschützer voll eingetreten sind. Der von allen anerkannten Fremdenverkehrsexperten empfohlene ,sanfte Weg' des Tourismus wird noch immer nicht begangen." (Natur und Landschaft, 59. Jg (1984) Heft 5, S. 209). Da Kommunen und Fremdenverkehrsgewerbe aber nach wie vor auf die falschen Berater setzen, sieht der BUND auch für die Zukunft der hessischen Urlaubsorte große Probleme aufziehen. Heutige Situation der Feriendörfer Anhand der Tabelle 1 ist zu der heutigen Situation der hessischen Feriendörfer folgendes festzustellen: - Das Feriendorf Rhönresidenz und seine Schwierigkeiten wurden bereits genannt: Von Baubeginn 1972 bis zur Eröffnung 1988 vergingen 16 Jahre, die künftige Entwicklung bleibt abzuwarten; - Die Feriendörfer Braunfels und Ostertal stehen dem Fremdenverkehr nicht mehr zur Verfügung, es handelt sich inzwischen um Dauer- oder Wochenendwohnsitze privater Art; - In den Feriendörfern Mengerskirchen und Vielbrunn stehen dem Träger jeweils nur noch die Hälfte der Häuser, in Hohenroda und Hirzenhain nur 2/3 4 der Häuser zur Vermietung zur Verfügung, entsprechend sind die Übernachtungszahlen rückläufig. Damit bleiben noch die Hälfte = sieben Feriendörfer übrig, in denen die Übernachtungszahlen in den letzten Jahren gleich hoch geblieben sind und in denen fast alle Häuser zur Vermietung zur Verfügung stehen. In Arolsen, Ulrichstein und Frankenau beurteilt man die Situation so günstig, dass man noch zusätzliche Ferienhäuser bauen will. In Frankenau war die Gemeinde so weitsichtig, dass sie 51 Prozent der Häuser von Anfang an in Gemeindebesitz genommen hat, um das Risiko der Dauerwohnsitze oder der alleinigen Wochenendnutzung zu mindern. Errichtung neuer Projekte Um die Errichtung neuer Projekte ist es in den letzten Jahren still geworden. Erst in jüngster Zelt sind Bemühungen ausländischer Gesellschaften bekannt geworden, die auch in Hessen versuchen Fuß zu fassen: - „Center Parcs", eine Firma aus den Niederlanden, die auch in Belgien und Frankreich Ferienzentren betreibt und 1989 die ersten Projekte in England und in der Bundesrepublik Deutschland, nämlich bei Bispingen in der Lüneburger Heide, eröffnen will. Hier wird ein Feriendorf mit 4 000 Betten in 610 Bungalows (Bausumme ca. 100 Millionen DM, davon 20 Millionen staatliche Förderung) mit einer subtropisch anmutenden Wasser- und Badelandschaft unter zeltartigen Glasdächern kombiniert. Das OVG Lüneburg hat allerdings im September 1988 einen vorläufigen Baustop verfügt. Verhandlungen der Firma .Center Parcs" mit hessichen Gemeinden haben bisher zu keinem Ergebnis geführt. - FUN-Center", eine norwegische Firma, die ihr erstes Zentrum seit zwei Jahren in Kristianstadt/Norwegen betreibt und die versucht hat, in Benachbarung zu einem hessischen Feriendorf ein Kongress-, Sport- und Freizeitzentrum zu errichten. Die Bauherren rechnen mit ca. 5 000 Tagesbesuchern aus einem Umkreis von 100-150 km, meines Erachtens im dünn besiedelten Nordhessen eine reine Illusion. Das haben die Beteiligten inzwischen anscheinend auch erkannt und ihre entsprechenden Anträge zurückgezogen. - Im Sauerland hat diese Firma angeblich inzwischen die erste Teilgenehmigung für ein Projekt erhalten. - Ein weiteres Beispiel außerhalb Hessens ist ein Freizeitpark für mehrere tausend „Öko-Urlauber", der 30 km vor Saarbrücken im lothringischen Dorf Obergailbach unter dem Namen „Biopark Römerrast" entstehen soll. Baustoffe, Anbaumethoden der dort angebotenen Lebensmittel, Ernährungsweise, Energiegewinn und Entsorgung sollen .biologisch" sein - und das bei 500 Ferienhäusern mit Hotel, Jugendherberge, Golfplatz und eigenem Flugplatz - welch absurde Ideen - welch Etikettenschwindel! (Die Welt Nr. 119 v. 24.05.88, S. 21 ). 5 Standort, städtebauliche und landschaftsplanerische Situation Wie bereits angedeutet, ist die Standortfrage aus landschaftsplanerischer Sicht im allgemeinen bei den hessischen Feriendörfern unbefriedigend gelöst: - in zehn Fällen liegen die Feriendörfer in der freien Landschaft, d. h. mindestens 500 m vom nächsten Ortsrand entfernt; - in zwei Fällen davon liegen die Standorte im Wald, der gerodet werden musste; - trotz gegenteiliger Forderungen im HLROP liegen vier von 14 Feriendörfern in Naturparken; In der städtebaulichen und landschaftsplanerisch/grünordnerischen Konzeption kann höchstens 1/3 der Projekte halbwegs zufriedenstellen; auch die Wahl der Haustypen ist wenig phantasiereich und entspricht vor allen Dingen nicht den jeweils üblichen hessischen Bauformen. Der Reiseschriftsteller SKASA-WEISS sagt treffenderweise zu dem Thema „Bauen in Ferienlandschaften" folgendes: ,,Vieles wird vom Häßlichen verunstaltet und Verunstaltetes ist daran zu erkennen, dass es sich um die Landschaft so wenig kümmert, wie um den Menschen, der darin lebt." In einer Pilotstudie „Feriendörfer" kommen HARFST und SCHARPF (1982) zu dem Schluß, „dass viele dieser Einrichtungen nach einem städtebaulich einfallslosen Konzept geplant wurden. Derartige Anlagen ignorieren nicht nur die landschaftlichen Gegebenheiten, sondern auch latent vorhandene Bedürfnisse der Erholungssuchenden." Sie führen dann ein Beispiel von FISCHER (1975) an, in dem dieser nachweist, dass das den landschaftlichen Gegebenheiten angepasste Konzept nicht nur vorhandene Gehölzbestände erhält und größere, vielseitig nutzbare Freiflächen schafft, sondern auch statt 85 99 Einzelhäuser ausweist, die Fläche für die Erschließungswege von 0,9 ha auf 0,5 ha senkt und schließlich bei den Erschließungskosten 50 Prozent einspart (vgl. Bilder 1 und 2). Enttäuschend ist allerdings die Aussage bei WOLF (1978) „dass die Landschaft aus der Sicht der Gäste keine große Bedeutung für die Lage von Feriendörfern besitzt." Das bestätigen eigene Umfragen der Hessischen Landesanstalt für Umwelt, bei denen kaum ein Feriengast auf die Mängel der städtebaulich-landschaftsplanerischgrünordnerischen Konzeption eingeht. Die Hessische Landesanstalt für Umwelt (HUU) hat zwei Untersuchungen zur städtebaulichen und landschaftspflegerischen Situation durchgeführt: 1. „Ökologische Belastbarkeit (Risikoabschätzung) einer zunehmenden landschaftsbezogenen Erholung durch den Ferienpark ,Hohenroda"', (Gesellschaft für Landeskultur GmbH (1987]) Ohne auf Einzelheiten der vertiefenden Untersuchungen einzugehen, soll hier erwähnt werden, dass die Entwicklungsaussagen, die auf der Grundlage der Bestandsaufnahme und einer Verträglichkeitsbewertung der einzelnen Nutzungen erarbeitet wurden, in Verbindung gebracht werden mit einem Nutzungsentflechtungskonzept, das die planerischen Konsequenzen in Form von 6 vier Zonen verschiedener Nutzungsintensitäten darstellt; dabei sollen gleichzeitig die aufgezeigten Nutzungskonflikte unter spezieller Berücksichtigung sowohl der Ziele von Naturschutz und Landschaftspflege als auch der Erholungsnutzung bereinigt werden. Ergänzt wird dieses Nutzungsentflechtungskonzept durch einen „Maßnahmen- und Umsetzungskatalog mit Zeitrahmen", nach dem z. B. die gesamte Zone 1 unter Zurücknahme einiger bestehender Wanderwege, als Landschaftsschutzgebiet mit strengen Auflagen ausgewiesen werden sollte. Festzuhalten bleiben hier folgende allgemein gültige Konsequenzen dieser Studie: Jedem geplanten Projekt des Freizeitwohnens - und das gilt für Ferienparks, Hotelanlagen und Feriendörfer genauso wie für Camping- und Caravanplätze - müssten folgende Untersuchungen vorausgehen: - eine gründliche Standorteignungsbewertung in regionaler und örtlicher Hinsicht - eine sorgfältige bauleitplanerische Bearbeitung mit begleitendem und zu integrierendem Grünordnungsplan - eine vertiefende landschaftsplanerische Untersuchung für die Umgebung der Anlage, die durch das Projekt einer stärkeren Erholungsnutzung dienen soll. Für diese Planungen müssen sich der Träger in Verbindung mit der Gemeinde verantwortlich fühlen und die Planung in engem Einvernehmen mit den Naturschutzbehörden erstellen und anschließend auch umsetzen. 2. Eine Untersuchung und Bewertung der 14 hessischen Feriendörfer mit folgenden Einzelkriterien der Gestaltung: - landschaftliche Einbindung mit standortgerechten Arten; - Gestaltung des Eingangsbereiches; - Anordnung und Gestaltung der Parkplätze; - Gestaltung der Plätze für Müll-Container; Kinderspielplätze; Freiflächengestaltung; - Sport- und Wasserflächen. In der Gesamtbewertung erreichen lediglich zwei Feriendörfer die Note „ansprechend" und neun die Note „eintönig, unbefriedigend". Hinsichtlich der Einzelheiten der Gestaltung zeigte der diesjährige Campingplatz- Wettbewerb in Hessen ähnliche Mängel bei den teilnehmenden acht Plätzen: - falscher Standort; - zu großzügige Versiegelung der Wege und Plätze; - unbefriedigende Gestaltung des Eingangsbereiches der Gebäude und Zäune; - fehlende Pflanzungen; - falsche Artenwahl; - unbefriedigende Gestaltung der Plätze für Müll-Container; - schlechter Pflegezustand bei Gebäuden und Grünflächen; - Gefahr der Umfunktionierung zu Wochenendhausgebieten. Urlaub im Feriendorf als Chance für naturkundliche Bildungsarbeit Naturschützer beklagen häufig das geringe Verständnis vieler Menschen für die Natur. Umso wichtiger ist es, jede sich bietende Möglichkeit auszunutzen, um diesen Zustand zu verbessern. Eine solche Möglichkeit bietet sich in den Ferienzentren geradezu an. 7 Hier haben die Menschen plötzlich Zeit und sind häufig dankbar für Angebote sinnvoller Freizeitbetätigung, die noch dazu kostenlos oder mit geringen Unkosten zu haben sind. Das gilt für alle Altersgruppen, angefangen bei Kindern über Jugendliche bis hin zu Erwachsenen. Die Naturschutzverbände könnten hier gemeinsam mit dem Feriendorf-Träger ein naturkundliches Bildungsprogramm mit Vorträgen, Filmen, Ökospielen für Kinder und Lehrwanderungen anbieten. das wahrscheinlich auf gute Resonanz stoßen würde. Natürlich darf das Programm nicht in erster Linie als Lehrveranstaltung aufgezogen werden, sondern muss mit dem nötigen . Ferienspaß" verbunden werden. In ganz bescheidenen Ansätzen gibt es so etwas in einigen Feriendörfern, aber dies könnte wesentlich ausgebaut werden. Jeder Naturschutzverband in der Nähe eines Feriendorfes ist hierzu aufgerufen! Die zuständigen Naturschutzbehörden werden ggf. sicherlich zur Unterstützung bereit sein. Ausblick Abschließend soll auf folgendes nachdrücklich hingewiesen werden: Es ist dringend notwendig, den Fremdenverkehr in den ländlichen Räumen zu halten und nach Möglichkeit zu steigern, weil dies einer der ganz wenigen Wirtschaftszweige ist, der den Dörfern und Landgemeinden eine bescheidene Arbeits- und Einkommensmöglichkeit bietet. Der Naturschutz muß sich aber gegen Großprojekte wehren, die Landschaft und Ortsbilder verfremden und belasten und die mit großem Risiko erkauft werden müssen, wie einige hessische Beispiele zeigen. HELBRICH (1986) berichtet, dass der Anteil der Auslandsreisen an der Zahl der Reisenden insgesamt von 1979 bis 1984 von 54 % auf 66 % angewachsen ist; der Anteil der lnlandreisen ging zwar entsprechend zurück, wurde aber durch die stark steigende Reiseintensität, die Zunahme der Kurzreisen und der Ausländerübernachtungen mehr als kompensiert. Das inländische Beherbungsgewerbe konnte laut BECKER (1985) fast jährlich noch kleine Zuwächse verzeichnen. Hieran hat die Kategorie „Ferienhaus/Bungalow/Appartment" einen hohen Anteil, der von 7,5 % der Übernachtungen der Inland reisen 1975 auf 12,2 % 1981/82 angewachsen ist. HELBRICH (1986) äußert deshalb die Vermutung, dass die Beliebtheit dieser Urlaubs- und Unterbringungsform anhalten wird, sich allerdings eine Marktsättigung bei etwa 15 % abzeichnet und dass es verstärkter Bemühungen der Tragergesellschaften, Gemeinden und Reiseveranstalter bedarf, um diesen Anteil zwischen 12 %- 15 % zu erreichen bzw. zu erhalten. Viele gute Gründe sprechen dafür, dem Trend zu kleineren maßvolleren Projekten mit hoher städtebaulicher, landschaftsplanerischer, grünordnerischer Qualität und guter, gediegener Ausstattung und Gestaltung der einzelnen Wohnung, des Appartments oder Ferienhauses zu folgen und diesen auch von der öffentlichen Hand zu unterstützen. Ganz allgemein gilt für die Zukunft, dass Urlaub in schöner Landschaft auf Dauer nur dort möglich ist, wo sich der Fremdenverkehr und seine Organisatoren für die Erhaltung und Pflege dieser Landschaft mitverantwortlich fühlen und sich daher auch im Management und an der Finanzierung der erforderlichen Landschaftspflege beteiligen. 8 Literatur: BECKER, Chr.: Längerfristige Perspektiven für den inländischen Fremdenverkehr und die Konsequenzen für den Raum zwischen Eifel und Saar. - Unveröffentlichtes Manuskript, Trier 1985 FISCHER, E.: Zur Problematik der Freizeitwohnsitze; In: Neues Archiv für Niedersachsen, Göttingen Bd. 24/1975, H. 1, S. 5- 14 HARFST, W., SCHARPF, H.: Feriendörfer - Planungsproblematik aus landespflegerischer Sicht; - Pilotstudie im Auftrag des Landesamtes für Umweltschutz Rheinland- Pfalz; Oppenheim 1982 HELBRICH, A.: Das Angebot von Feriengroßprojekten in der BRD; Diplomarbeit am Lehrstuhl Prof. Dr. Chr. Becker, Universität Trier 1986 HESSISCHE LANDESANSTALT FÜR UMWELT: Der Bau von Feriendörfern als Aufgabe der Landschaftsplanung. In: Naturschutz und Landschaftspflege in Hessen 1977 /78, S. 84- 86; hrsg. v. Hessischen Ministerium für Landesentwicklung, Landwirtschaft und Forsten Wiesbaden 1979 KLAUS-STÖHNER, U.; MAYER, Th.; THOMAT, W.; WINKEL, R.: Ferienhausanlagen in Hessen - Bestand, Entwicklung, Bewertung HLT Gesellschaft für Forschung, Planung, Entwicklung mbH, Wiesbaden 1981 WERBECK, H.: Feriendörfer 1979- ökonomische, ökologische, soziale und sozialpsychologische Auswirkungen; - Ministerium für Soziales, Gesundheit und Umwelt Rheinland-Pfalz; - Mainz 1979 WOLF, K.; JURCZEK, P.; SCHYMIK, F.: Errichtung, Struktur und Nutzung von Feriendörfern in Mittelgebirgen - Modellanalyse Ostertal/Odenwald und Herbstein/ Vogelsberg. - Materialien 6, Geographisches Institut der Universität Frankfurt/M. 1978 Bilder und Tabellen Die im Text erwähnten Bilder und Tabellen sind im Originaldokument (URL der Quelle: http://www.landespflege.de/schriften/DRL_SR57.pdf) aufzufinden. 9

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