Rheinzeitung

Aus der Rhein-Zeitung vom 28.09.2019

„Ei Dunnakäil“ geht in die zweite Runde

Ulrike Platten-Wirtz

Zell. Erinnerungen an die alte Zeit und deren sprachliche Eigenheiten wachzuhalten, ist eine der Intentionen, die die Autoren Rosemarie Kettern aus Bullay und Hubert Clemens aus Reil bei der Erstellung des Mundartwörterbuchs „Ei Dunnakäil“ angetrieben hat. Alte Geschichten sowie Wörter, die längst aus dem Sprachgebrauch verschwunden sind, für die Nachwelt zu konservieren, sollte mit Hilfe des Zeller Heimatbüchleins, das im März dieses Jahres erschienen ist, gelingen. Das Interesse an dem Büchlein war groß. „So groß, dass ratzfatz alle Exemplare vergriffen waren“ erklärt Ideengeber Jürgen Wirtz aus Zell. Grund genug, das Buch neu aufzulegen.

Die zweite Auflage, „Ei Dunnakäil noch emòhl“, ist aber nicht nur ein Nachdruck, sondern wartet vielmehr mit interessanten Ergänzungen auf. „Uns sind immer wieder neue Wörter eingefallen, die unbedingt ins Buch gehören“, sagt Rosemarie Kettern. Folglich haben Kettern und Clemens, beide gebürtige Zeller, sich wieder zusammengesetzt und die erste Auflage überarbeitet. Insgesamt 24 Seiten sind dazugekommen. Längst vergessene oder erhaltenswerte Begriffe wie Hochzend (Hochzeit), Kiedelscherz (Kittelschürze) oder Marschkließjes´sopp (Markklößchensuppe) wurden aufgenommen. Alte Ausdrücke werden mit Beispielssätzen sowie passenden Fotos, die Hubert Clemens besorgt hat, verständlich gemacht. Ortstypische „Zohnomme“ (Haus- oder Spitznamen) sowie typische Zeller Kochrezepte runden die Broschüre ab. Außerdem gibt es im neuen „Dunnakäil“ auch jede Menge Stekkelcher, die sich in den 1950er und 1960er Jahren in der Schwarze-Katz-Stadt zugetragen haben. „An einiges konnten wir uns selbst noch erinnern, andere Geschichten hat man uns erzählt“, sagt Kettern. Die pensionierte Lehrerin, die heute in Bullay zu Hause ist, hat ihre Kindheit in Zells Kernstadt verbracht. „Damals gab es in Zell noch neun Bäckereien“, erinnert sie sich. Die Geschichte von der Brötchenwanderung, einem Einkauf bei allen Bäckern der Stadt, hat Kettern als Kind nicht nur selbst erlebt, sondern auch sehr unterhaltsam aufgeschrieben. Selbstverständlich auf Platt. „Die Geschichte ist für Zeller gedacht, in Erinnerung an früher“, sagt sie. Die Autorin selbst hat die alte Zeit somit nicht nur neu aufleben lassen, sondern sich auch das eine oder andere Mal in die eigene Kindheit zurückversetzt gefühlt.

Eine der größten Herausforderungen, denen die Autoren sich stellen mussten, war die schriftliche Umsetzung der Aussprache. „Ich habe früher mal Phonetik studiert, die fürs Zeller Platt habe ich allerdings selbst erfunden“, sagt Kettern augenzwinkernd. Nicht selten kam es zwischen den beiden Autoren – Clemens stammt aus Corray, Kettern aus der Balduinstraße – zu Unstimmigkeiten. „Oft wurden dieselben Wörter nämlich sogar von Straße zu Straße unterschiedlich ausgesprochen“, erklärt Clemens. Da galt es, sich zu einigen.

Unter Mithilfe von „Accents“ wie man sie aus dem Französischen kennt, gelingt es auch unerfahrenen Lesern leicht, die korrekte Aussprache zu erfassen. Vorausgesetzt, man liest die Gebrauchsanleitung am Anfang der Broschüre.

Um rund 100 neue Wörter wurde das Büchlein erweitert. Allesamt Begriffe, die im früheren Sprachgebrauch zum Alltag gehörten. In den vergangenen zwei Generationen, stellen die Autoren fest, sind kaum neue Wortbildungen hinzugekommen. „Denn auch bei Plattschwätzern heißt das Mobiltelefon Handy und der PC Computer“, bemerkt Kettern. Mit der neu aufgelegten Broschüre mit Wörtern von A wie Aabelkrotz bis Z wie Zwing´ge wollen sowohl Autoren, Ideengeber als auch der Heimat- und Verkehrsverein Zell als Herausgeber dazu beitragen, die besondere Sprache ihrer Heimatstadt Wert zu schätzen und zu bewahren, damit sie nicht in Vergessenheit gerät. Die Neuauflage gibt es für 6 Euro in der Touristinformation im Rathaus, im Globus, beim „Bleemsche“, in der Hirschapotheke, Aliciyas Bauernmarkt, Dr. Hückstädts Apotheke, Rhein-Mosel-Verlag und bei Wirtz Gastronomiebedarf.

Weitere Ausgabestellen sind unter www.bestzeller.de zu finden. Vorbestellungen an Jürgen Wirtz per E-Mail j.wirtz@wirtz- online.de

Die Terminangaben sind teilweise den öffentlichen Mitteilungen in der Presse und im Internet entnommen und erfolgen ohne Gewähr. Eventuell nicht zutreffende Angaben bitte melden! Danke! j.wirtz@wirtz-online.de

Mitmachen!

Wem was auffällt, was fehlt - Stekkelcher, Wörter, Begriffe in Zeller Platt - oder Fehler: bitte direkt an eine(n) der beiden Redakteur(innen) melden: Männersachen an hcl@onlinehome.de und was die Damen betrifft an GEW-Rosemarie.Kettern@t-online.de. Sonstiges: j.wirtz@wirtz-online.de.

In der 2. Auflage werden solche Ergänzungen und Korrekturen aufgenommen.

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Hintergrundfoto: Arne Houben, RMV-Rhein-Mosel-Verlag, Zell (Mosel), www.r-m-v.de/