Eifelzeitung

Eifelzeitung: 27. September 2019

Der "Dunnakäil" ist wieder da

Die Neuausgabe des Zeller Platt-Wörterbuchs „Ei Dunnakäil – noch emòhl“ enthält jetzt mehr als 1.000 Stichwörter

Zell. Kaum war das im März dieses Jahres erschienene Zeller Platt-Wörterbuch „Ei Dunnakäil“ im Handel, da mussten kurze Zeit später viele Interessenten erfahren, dass es bereits ausverkauft war.

Denn etliche Zeller hatten gleich ein zweites oder drittes Exemplar geordert, um es Freunden oder Verwandten in der Ferne zu schenken. Selbst nach Australien und Südamerika hätten einige Exemplare ihren Weg gefunden, wurde dem Autoren-Duo Rosemarie Kettern und Hubert Clemens berichtet. Das war für die beiden das Signal, sogleich eine Neuausgabe in Angriff zu nehmen. Die zweite, überarbeitete und ergänzte Auflage des Wörterbuchs der Zeller Mundart wurde soeben unterm unter dem aktualisierten Titel „Ei Dunnakäil – noch emòhl“ vom Zeller Rhein-Mosel-Verlag ausgeliefert.

Zum Stichwort „Hochzend“: Eine Zeller Hochzeitsgesellschaft von 1938, wie sie sich gleich nach der kirchlichen Trauung im Hof des Zeller Schlosses dem Fotografen präsentierte

Mehr als 100 neue Begriffe und deren Bedeutung sind hinzu gekommen, so dass es bei den Stichwörtern mehr als 1000 geworden sind. „Auf allen möglichen Wegen hatten wir aus der Leserschaft Hinweise auf vermisste Wörter bekommen“, berichtet Rosemarie Kettern. „Uns war schnell klar geworden, dass so wichtige Begriffe wie „Hochzend“ (Hochzeit), „Kiedelscherz“ (Kittelschürze) oder Morschkließjes’sopp“ (Markklößchensuppe) nicht fehlen durften.“

Auch viele neue Lesestücke wurden in die erweiterte Neuausgabe aufgenommen. So hat Kettern in ihrer „Brötchenwanderung“ die damals neun Zeller Bäckereien noch einmal Revue passieren lassen. Clemens erzählt die Entstehungsgeschichte des ersten Zeller Campingplatzes – damals wohl eher ein Zeltplatz – am Moselufer: „Wie dä Kämbing onn die Muhsel kòhm“. Auch den zahlreichen Zeller „Zohnomme“ (Zunamen) ist jetzt ein Kapitel gewidmet, ebenso den typisch Zeller Kochrezepten und Küchentipps.

Stichwort „Kämbing“: Mitte der 50er Jahre hatte Zell auch seinen ersten Campingplatz am Moselufer für Urlauber mit Paddelboot und Zweimannzelt

Je mehr das Zeller Platt aus dem Sprachgebrauch des Alltags verschwindet, umso mehr, so scheint es, steigt bei den Zellern der heutigen Generationen das Interesse daran, die Mundart ihrer Eltern und Großeltern – möglichst schriftlich – zu bewahren. So hatte auch der Zeller Kaufmann Jürgen Wirtz vor 15 Jahren damit begonnen, Zeller-Platt-Wörter zu sammeln. Er hatte die Begriffe alphabetisch geordnet auf die Internetseite www.bestzeller.de gestellt und die Zeller zum Mitsammeln ermuntert. So war die einmal begonnene Sammlung über die Jahre angewachsen, was schließlich den Wunsch nach einem Buch geweckt hatte.

Wirtz konnte dafür Anfang letzten Jahres Rosemarie Kettern und Hubert Clemens als Autoren und den Heimat- und Verkehrsverein als Herausgeber gewinnen. Die beiden Ruheständler, gebürtige Zeller, machten sich daran, die bis dahin 400 Stichwörter umfassende Sammlung zu einem Wörterbuch mit zunächst 900 Begriffen auszubauen. Wo immer es möglich war, wurden die einzelnen Ausdrücke durch einen Beispielsatz mit hochdeutscher Übersetzung verdeutlicht, um „Nichtzellern“ das Verstehen zu erleichtern. Etwa zum Stichwort Gemélda – Gerümpel: „Dat ganse Gemélda óff da Trähf móhs weg! – Das ganze Gerümpel auf dem Dachboden muss weg!“

Die neue Ausgabe des „Dunnakäil“ wird seit Wochenbeginn in etlichen Zeller Verkaufsstellen angeboten. Den vielen Interessenten, die nach eigenem Bekunden schon ungeduldig auf die neue Ausgabe warten, rät Kettern: „Dummelt äisch, sóss kréht ihr widda kaint mieh!“

Ei Dunnakäil … noch emòhl – Zeller Platt von A bis Z.

Zeller Heimatheft 2019,
2. Auflage; Herausgeber:
Heimat- und Verkehrsverein Zell (Mosel) e.V.;
Rhein-Mosel-Verlag Zell,
ISBN 978-3-89801-367-3

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In der 2. Auflage werden solche Ergänzungen und Korrekturen aufgenommen.

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Hintergrundfoto: Arne Houben, RMV-Rhein-Mosel-Verlag, Zell (Mosel), www.r-m-v.de/